Physiotherapie

»Das Wesen der Physiotherapie besteht darin, die sensomotorische Selbstbestimmtheit von Individuen oder von Individuen in sozialen Gruppen zu fördern, zu erhalten, wiederherzustellen oder wenn nötig, Kompensationsmöglichkeiten für eine weitestgehende sensomotorische Selbstbestimmtheit zu entwickeln.«

(Probst 2018)

In der Physiotherapie geht es um das Erlernen von Bewegungsstrategien, Bewegungsfunktionen und deren Nutzung im Alltag. Eine genaue Analyse der jeweils betroffenen Bewegungen / Tätigkeiten ist notwendig um aus einem großen Spektrum an Behandlungsmöglichkeiten eine individuelle Therapie zusammenzustellen. Dies kann z.B. eine Beratung über Alltagsaktivitäten sein, ein Krafttraining bestimmter Muskelgruppen, das Ausprobieren neuer Bewegungsmöglichkeiten oder die Reduzierung von Belastung durch Entspannungsmaßnahmen. Erst ein genaues Erfragen von Beschwerden und Bewegungsvorlieben und eine ausführliche physiotherapeutische Untersuchung ermöglichen die Therapieplanung. Zusätzlich werden Übungen oder Ideen entwickelt, wie Sie zu Hause die erweiterten Bewegungsmöglichkeiten nutzen und festigen können. Hierzu gehören auch Informationen, die Ihnen helfen, ihre Bewegungsstrategien zu verstehen und eigene Ressourcen auszunutzen. Bestandteil der Therapie sind auch die Beratung zur Hilfsmittelversorgung und deren Erprobung.

Quelle: Probst A. (2018). Modell der menschlichen Bewegung in der Physiotherapie. In: Theorie und Modelle der Physiotherapie. H. Höppner, R. Richter (Hrsg.) S. 99–113. Hogrefe Verlag

Therapieschwerpunkte

Bobath-Therapie für Kinder und Erwachsene

Bobath-Therapie in der Neurorehabilitation

Der Schwerpunkt der Bobath-Therapie ist der Erhalt oder die Verbesserung der Lebensqualität der Betroffenen und ihrer Angehörigen, sowie das Erlangen einer möglichst hohen Eigenständigkeit. Hierbei steht das Lernen von alltagsbezogenen Handlungen im Vordergrund. Ein wichtiger Bestandteil in dieser Therapie ist das aktive Mitarbeiten der Patient*innen, um eine größtmögliche Selbstständigkeit im Alltag erreichen zu können.

Besonderheiten des Konzeptes sind das „Hand-in-Hand“ arbeiten von Patient*innen und Therapeut*innen, die ständige Wechselbeziehung zwischen Befund und Behandlung, sowie der 24-Stunden-Ansatz, welcher unter anderem bedeutet, dass in der Therapie gelernte Bewegungen in den häuslichen Alltag integriert werden, um so eine ständige Aktivierung der entsprechenden Funktion hervorzurufen.

In der Therapie bedienen sich die Therapeut*innen verschiedener Techniken und Prinzipien, um das Erreichen eines größtmöglichen Therapieerfolges zu unterstützen.

Nach dem Bobath-Konzept werden Personen nach einem Schlaganfall, Menschen mit Parkinson oder Multipler Sklerose, sowie anderen neurologischen Erkrankungen behandelt.

Quelle: Eckhardt, G. (2019). Bobath Konzept – Aktueller Stand der Bobath Therapie. Bobath Ausbildungszentrum Haan.

Bobath-Therapie in der Entwicklungsneurologie

In der Bobath-Therapie geht es darum, Kinder und Jugendliche in ihrer Handlungsfähigkeit zu unterstützen. Der Alltag hält viele Herausforderungen bereit, die bestmöglich bewältigt werden sollen. Die kleinen und großen Patient*innen sollen befähigt werden ihre Entwicklungschancen zu nutzen und eine größtmögliche Selbstständigkeit zu erreichen.

Dafür ist es nötig, die Ressourcen des Einzelnen zu erkennen und Bewegungen im Detail zu analysieren. Dies tun wir, indem wir genau beobachten und entsprechende Hilfestellungen ableiten. Dazu nutzen wir umfassende Kenntnisse z.B. über die unterschiedlichen Aspekte von Entwicklung und Erkenntnisse zum motorischen Lernen, die auf aktuellem wissenschaftlichem Stand begründet sind. Wir berücksichtigen dabei die individuellen Lebenskontexte und passen die therapeutischen Maßnahmen an die einzelne Person und ihr Umfeld an.

Ein wichtiger Motor für jedes Lernen ist die Motivation. Deshalb ist eine unserer wichtigsten Aufgaben, das Interesse der Kinder oder Jugendlichen zu erkennen, entsprechende Ziele mit ihnen zu formulieren und das therapeutische Angebot daraufhin zu gestalten.

Manchmal sind auch Hilfsmittel (wie z.B. Orthesen oder Rollstühle) notwendig, damit ein möglichst selbstständiges Handeln realisierbar wird. Hier stehen wir Ihnen ebenfalls beratend zur Seite.

Links:
https://www.bobath-vereinigung.de/
https://www.bobath-konzept-deutschland.de/
https://www.youtube.com/watch?v=y_pN3m5w5QQ&t=34s
https://www.bobath-kurs-bremen.de/home

Eigenübungen / Selbstfürsorge / Befähigung zur Selbsthilfe

Ein wichtiger Bestandteil in der Physiotherapie ist das Eigenübungsprogramm, in dem die Patient*innen das Gelernte aus der Therapie zu Hause selbstständig wiederholen und einüben können. Hierdurch übernehmen Patient*innen Eigenverantwortung für ihren eigenen Leistungsstand und die Therapieinhalte können gefestigt werden.

Ein Eigenübungsprogramm kann in Form von schriftlichen Trainingsplänen, Fotos oder Videos gemeinsam mit den Therapeut*innen innerhalb der Behandlungszeit ausgearbeitet werden. Dadurch ist gewährleistet, dass die Patient*innen eine Anleitung für die Ausführung der Übungen zu Hause vorliegen hat.

„Kleine“ Alltagsadaptionen

Große Bedeutung für unsere Praxis hat die Unterstützung im Alltag durch verschiedene Anpassungen. Die Patient*innen werden zum einen durch die Therapie in der Alltagsbewältigung unterstützt. Ihnen kann aber auch durch „kleine“ Alltagsadaptionen geholfen werden, welche gemeinsam mit der oder dem Therapeut*in in der Therapie erarbeitet werden.

Solche Alltagsadaptionen können in verschiedenen Formen erfolgen. Es kann eine kleine Hilfe sein, indem z.B. um das Besteck eine Verdickung aus Schaumstoff gelegt wird, um so das Greifen besser zu ermöglichen. Es kann auch einfach das Drehen des Bettes sein, um besser ein- und aussteigen zu können. Zu den Alltagsadaptionen zählen aber auch das Herstellen von Sohlen oder das Anfertigen von Gipsschienen, welches innerhalb der Behandlungszeit erfolgt.

Atemtherapie

Die Atemtherapie ist ein breitgefächertes Behandlungsgebiet und sowohl im Säuglings-/Kinder- als auch im Erwachsenenbereich einsetzbar. Anwendung findet die Therapie unter anderem bei Krankheitsbildern, die die Lungenfunktion beeinträchtigen, wie z.B. bei Patient*innen mit Mukoviszidose, COPD oder Asthma.

In der Therapie werden aktive Körper-Dehn-Stellungen, Übungen zur Brustkorbmobilisation, sowie Atemtechniken erarbeitet. Dieses wird für die kleinen Patient*innen spielerisch gestaltet. Ebenfalls finden passive Techniken zur Spannungslösung der Muskulatur und Gewebslockerung statt.

Ein weiterer Aspekt der Atemtherapie bezieht sich auf das Erlernen von Hustentechniken und Atemnotmanagment, sowie der richtige Umgang mit Feucht- und Trockeninhalationsgeräten und das Anwenden von Atemtherapiegeräten. Das Erarbeiten von Hausaufgabenprogrammen, sowie das Beraten bezüglich Alltagstipps sind ebenfalls wichtiger Bestandteil der Therapie.

Links:
https://www.muko.info/informieren
https://www.atemwegsliga.de/

Dreidimensionale Skoliosetherapie nach Katharina Schroth®

Die dreidimensionale Skoliosetherapie nach Katharina Schroth® wird bei Patient*innen mit einer Wirbelsäulenveränderung angewendet. Ziel der Therapie ist es die individuell größtmögliche Aufrichtung der Wirbelsäule zu erreichen und das Voranschreiten der Wirbelsäulenveränderung zu vermeiden oder zu reduzieren. Außerdem sollen durch die Therapie Schmerzen, Bewegungseinschränkungen und Organbelastungen vermieden oder reduziert werden. Zudem wird durch die Schroth®-Übungen die Aufrichtungsmuskulatur gekräftigt, sowie das Verständnis und die Akzeptanz der Skoliose verbessert. Zu Hause wird ein, in der Therapie erlerntes Eigenübungsprogramm durchgeführt, welches in der Therapie stetig korrigiert und erweitert wird.

Quelle: Roevenich, Udo. Schulungsskript zur Fortbildung Schroth-Therapeut: „Dreidimensionale Skoliosetherapie nach Katharina Schroth®“. © 2018 by Asklepios Katharina-Schroth-Klinik, Bad Sobernheim

Link:
www.deutsches-skoliose-netzwerk.de

Hilfsmittelberatung

Ziel der Hilfsmittelversorgung ist es die Lebensqualität und Selbstbestimmung unserer Patient*innen zu steigern. Dies könnten Rollstühle, Rollatoren, Orthesen, Prothesen, Sitzschalen, orthopädische Schuhe, Rehabuggys und vieles mehr sein.

Wir bieten Ihnen im Rahmen unserer physiotherapeutischen Behandlung eine fachkundige Beratung bei Ihrer Hilfsmittelversorgung an. Diese findet in enger Zusammenarbeit mit erfahrenen Orthopädietechniker*innen statt. Wenn die behandelnden Therapeut*innen oder Orthopädietechniker*innen einen gemeinsamen Termin zur Anpassung oder Besprechung des Hilfsmittels sinnvoll finden, ermöglichen wir diesen gerne. Da ein Hilfsmittel seinen Zweck nur erfüllen kann, wenn es zielgerichtet und passgenau auf die Bedürfnisse der Patient*innen angepasst ist, ist uns das Thema Hilfsmittelberatung sowohl im Kinder-, als auch im Erwachsenenbereich ein großes Anliegen. Eine regelmäßige Kontrolle der Anpassung und des Umgangs mit dem Hilfsmittel findet fortlaufend während unserer Behandlungen statt.

Links:
www.rehakind.de
www.rehadat-gkv.de

Laufbandtherapie

Eine Laufbandtherapie ist in der Praxis mit und ohne Gewichtsentlastung möglich, d.h. bei Bedarf kann das Körpereigengewicht stufenlos reduziert werden. Dadurch ist das Stehen und Gehen für nahezu alle Patient*innen erreichbar. Durch den seitlichen Halt der Griffe und/oder das Gurtsystem ist bei der Laufbandtherapie eine Angstreduzierung beim Gehen möglich. Dies wiederum ermöglicht eine Schrittwiederholung, die im freien Gehen auch mit Hilfsmittel nicht erreicht werden kann. Zusätzlich können wir durch das Laufband an der Leistungsgrenze unserer Patient*innen unter Verhinderung von Stürzen arbeiten.

Zudem nutzen wir unser Laufband als Möglichkeit zum Ausdauer- und Muskelkrafttraining.

Das Laufband wird ausschließlich in unseren physiotherapeutischen Behandlungen genutzt, so dass immer eine oder ein  Therapeut*in dabei ist. Es kann mit und ohne Hilfsmittel wie z.B. Orthesen, Prothese, orthopädischen Schuhen etc. genutzt werden.

McKenzie Methode®

Die McKenzie Methode® ist eine von Robin McKenzie entwickelte und international anerkannte Methode zur Untersuchung und Behandlung von Rückenbeschwerden. Diese Methode beinhaltet eine ausführliche Patient*innen Aufklärung und benötigt die aktive Teilnahme der Patient*innen. Ein bedeutsamer Bestandteil ist die Erstuntersuchung und das in der Therapie erarbeitete Eigenübungsprogramm. Der Therapieerfolg ist bei der McKenzie Methode stark von der oder dem Patient*in und der regelmäßigen Durchführung des Eigenübungsprogrammes abhängig.

Quelle: McKenzie, Robin (2014, 4.Aufl.). „Behandle deinen Nacken selbst“ und McKenzie, Robin (2013, 8. Aufl.). „Behandle deinen Rücken selbst“ © Robin McKenzie, New Zealand: Spinal Publications New Zealand Limited

Link:
www.mckenzieinstitute.org

Kinesiologisches Taping

Das kinesiologische Taping ist eine ergänzende Therapiemethode zur Schmerzlinderung verschiedener Schmerzsyndrome oder Förderung des Lymphabflusses. Außerdem wird das kinesiologische Taping zur Stabilisierung verschiedener Gelenke genutzt. Diese unterschiedlichen Effekte können durch verschiedene Anlagetechniken direkt auf der Haut erzielt werden.

Quelle: Pohlmann, Ernst (2011, 1. Aufl.). „Physio-Taping Kinesiologisches Taping in der Manual- und Physiotherapie“. Balingen, Deutschland: © Spitta Verlag GmbH&Co.KG

Manuelle Lymphdrainage

Link:
https://www.dglymph.de/aktuelles